05.11.2019

Kölner Diözesanrat beschäftigt sich mit der Zukunft der Kirche
"Selten war Kirche so notwendig wie heute"
Wenn am ersten Advent der Startschuss zum "Synodalen Weg" fällt, dann geht es zwischen Bischöfen und Laien um die Suche nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses. Einen Vorgeschmack darauf gab es jetzt im Erzbistum Köln.

Gespräche auf Augenhöhe – das ist ein vielerorts gebrauchter Begriff, wenn Laien vom demnächst beginnenden Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, dem "Synodalen Weg", sprechen. Gleichzeitig verbirgt sich hinter diesem immer wieder ins Wort gebrachte Bild eine angemahnte Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen an der kirchlichen Basis, in den Gemeinden und Verbänden, bei dem geplanten Dialog auf  Bewegung in der momentan als Krise gewerteten Situation der Kirche hoffen. Die Beschäftigung mit der Zukunft ihrer Kirche hatten sich – aus aktuellem Anlass – daher auch die Delegierten des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln bei ihrer Vollversammlung im Bensberger Kardinal-Schulte-Haus verordnet und zum derzeitigen Stand der Beratungen zum Synodalen Weg die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Dr. Claudia Lücking-Michel, eingeladen.

Doch zunächst nutzte am Montagabend der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, die Gelegenheit, in dem von der Versammlung erbetenen Grußwort seine Gedanken zu den Ende Oktober festgelegten Themen- und Handlungsfeldern zu äußern und diesbezüglich auch klar Bedenken zu formulieren, zumal er gemeinsam mit dem Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer gegen die nun geltende Satzung des Synodalen Weges gestimmt hatte. Beide Bischöfe hatten Mitte August beim Ständigen Rat einen Alternativvorschlag vorgelegt, der vor allem in der Ausrichtung der Foren sowie der Art und Weise der Beschlussfassung abwich. Doch entgegen den Wünschen beider Bischöfe sieht die Satzung nun nach wie vor folgende Foren vor: "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag", "Priesterliche Existenz heute", "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" sowie "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft". Eine erste Synodenversammlung mit maximal 230 Mitgliedern wird es dazu Ende Januar im Frankfurter Dom geben.

Keine schön gefärbte Makulatur

Woelki führte aus, wie wichtig ihm die Beteiligung aller Gläubigen am Pastoralen Zukunftsweg im Kölner Erzbistum sei und dass die auf den drei Regionalforen vorgestellte Zielskizze 2030 stärker als bisher Kirche von der Gemeinde her entwerfe. Auch wenn diese Skizze, in die neben den Vorstellungen der Teilnehmer an den Regionalforen auch die Ergebnisse einer Online-Umfrage und vieler Gespräche der Arbeitsfelder und Gremien eingeflossen sind, bislang noch unvollständig die Wünsche der Getauften und Gefirmten spiegele und noch keine endgültigen Antworten liefere, wie der Kardinal ausdrücklich betonte, stellte er zukünftig mehr Transparenz, mehr Teilhabe und mehr Seelsorge in Aussicht. Auch den Abbau von Klerikalismus, neue Gottesdienstformen und allgemein mehr Mitwirkungsmöglichkeiten der Laien sehe dieser Entwurf für die nächsten zehn Jahre vor. Für das gemeinsame Unterwegssein sei er zutiefst dankbar, sagte Woelki angesichts der Vielzahl an Mitarbeitern an diesem Prozess und erklärte, dass dieser noch lange nicht zu Ende sei, sondern sich demnächst auf Dekanatsforen mit den Themen des Synodalen Weges beschäftigen und somit fortsetzen werde. In diesem Zusammenhang erteilte er der immer wieder zu hörenden Besorgnis, es handele sich dabei um "schön gefärbte Makulatur" eine entschiedene Absage. Vielmehr erläuterte Woelki, dass der Weg ein Wesensmerkmal der ganzen Kirche sei und daran erinnere, "dass wir nie als Nationalkirche voranschreiten, sondern als gemeinsames Volk Gottes".

Evangelisierung ist wesentliche Sendung der Kirche

Außerdem forderte er analog zu dem Brief von Papst Franziskus, den dieser Ende Juni "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" geschrieben hatte und den Woelki stellenweise wörtlich zitierte, den Primat der Evangelisierung. "Ohne Evangelisierung existiert die Kirche nicht und ohne Evangelisierung wären wir heute nicht hier", sagte er wörtlich. Die Sendung des Herrn führe mitten aus der Gemeinschaft der Kirche in die Welt hinaus. Die Evangelisierung bilde die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche und wecke die Freude, Christ zu sein. "In all unserem Handeln", so der Erzbischof weiter, "muss es um Christus gehen. Er sei das "indispensable Vorzeichen für unseren synodalen Weg". Papst Franziskus ermutige zu diesem Weg und biete ausdrücklich seine Unterstützung dabei an, fügte er hinzu. Neben ihren finanziellen Ressourcen müsse die Kirche in Deutschland vor allem auf ihren geistlichen Schatz bauen. Und so müsse der synodale Weg unter der Führung des Heiligen Geistes stehen. Auch wenn strukturelle Änderungen in den Blick und in Angriff genommen werden müssten, dürfe es keine Fixierung auf eine bloße Strukturdebatte geben. Es bedürfe weit mehr als eines strukturellen funktionalen Wandels und äußerer Reformen, die auf einen "perfekten Apparat" setzten.

Keine parlamentarische Abstimmung über den Glauben

Vielmehr gehe es um einen inneren formenden und prägenden Geist und die Freude am Evangelium; darum, "den Biss des Evangeliums" zu leben. "Nicht Strukturreformen bringen uns voran, sondern solche, die von der unbändigen Kraft des Heiligen Geistes und der Freude am Evangelium zehren." Reife Entscheidungen könne es nur geben, wenn sich möglichst viele Räte und Laien daran beteiligten. Trotzdem könne es keine parlamentarische Abstimmung über den Glauben geben, unterstrich Woelki mit Nachdruck. Auch die Autorität des Lehramtes sei nicht hintergehbar; vielmehr sichere sie der Kirche die Verankerung im katholischen Glauben. Außerdem betonte der Kardinal, dass der Glaube der Teilkirchen immer in der ganzen Kirche verortet bleiben müsse. "Es darf keine unterschiedlichen Wege geben." Das eigene Denken dürfe nicht zum Maßstab werden oder gar über das Wort Gottes gestellt werden, mahnte er. Und im Hinblick auf die Themen, die nur auf weltkirchlicher Ebene diskutiert werden können, gab Woelki die Antwort mit einem Bild: Bei einem Chor gehe es auch nicht darum, dass sich einzelne Stimmen profilierten, sondern darum, die Gesamtheit zu stützen, die Vorgaben des Dirigenten – in diesem Fall die Inhalte des Papstschreibens – nicht einfach ad acta zu legen und schrille Töne zu vermeiden.

Missbrauch hatte systemische Ursachen

Im Vorfeld schon Festschreibungen vorzunehmen und sich selbst Denkbarrieren aufzuerlegen, statt auf ergebnisoffene Beratungen zu setzen – dagegen wandte sich in ihrem Redebeitrag Claudia Lücking-Michel. "Der Weg entsteht im Gehen", formulierte die Vizepräsidentin des ZdK und erinnerte noch einmal schonungslos an die Hintergründe, die zu der Notwendigkeit eines gemeinsam gestalteten  Prozesses von Kirchenleitung und Basis geführt hatten: nämlich der massenhafte Missbrauch von Minderjährigen durch Kleriker. Und sie mahnte sehr wohl auch die Wichtigkeit einer Strukturdebatte an, zumal die MHG-Studie darauf verweise, "dass der ungeheuerliche Missbrauch sakralisierter Macht, die schändliche Vertuschung von Taten und der perfide Schutz von Tätern systemische Ursachen haben. Es geht nicht nur um einzelne Kriminelle, sondern um Problemlagen, die unsere Kirche insgesamt betreffen", konstatierte der Gast aus Bonn. Wolle Kirche ihre Glaubwürdigkeit – gerade auch in der Verkündigung – wiedergewinnen, müsse es jetzt eine kritische Auseinandersetzung mit den Bedingungen, die diesen Machtmissbrauch ermöglicht haben, geben und mit den Strukturen, die für eine nachhaltige Erneuerung der Kirche notwendig seien.

Enttäuschung, weil bisher nichts geschehen ist

Man erhoffe sich durchaus Antworten vom Synodalen Weg, sagte Lücking-Michel. Denn nichts wäre schlimmer, als mit diesem Prozess große Hoffnungen zu wecken und am Ende nur Frust auszulösen – so wie der "Dialogprozess" der Deutschen Bischofskonferenz in den Jahren 2011 bis 2015 nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandal erst einmal keine Veränderungen gebracht habe und auch die Forderung vieler Verbände 2016 nach einer Synode nicht, was schließlich nach der Veröffentlichung der MHG-Studie 2018 in der Vollversammlung des ZdKs für einen Sturm der Entrüstung gesorgt habe. Enttäuscht, erbost und erschüttert hätten die Delegierten damals aber vor allem nur deshalb sein können, berichtete das ZdK-Vorstandsmitglied, weil sie ihre Kirche aus tiefstem Herzen liebten.

Der Synodale Weg soll zum ersten Advent starten

Letztlich sei die Entscheidung der Bischöfe zum Synodalen Weg auch unter dem großen Druck der Öffentlichkeit gefallen, hielt Lücking-Michel fest und berichtete von der dann bald erfolgten Einladung der Bischofskonferenz an das ZdK, sich an diesem Prozess "auf Augenhöhe" zu beteiligen. Doch zur Bedingung habe das höchste deutsche Laiengremium ein zunächst nicht vorgesehenes viertes Forum zum Themenkomplex "Frauen und Kirche" gemacht, dem die Bischöfe dann bei ihrer Herbstsitzung zugestimmt haben. Nun fehle nur noch das Votum der ZdK-Vollversammlung, die am 22. November tage, und der Synodale Weg könne mit Beginn des neuen Kirchenjahres starten. Trotz ausgehandelter Ziele, Kompetenzen, Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse bleibe allerdings offen, "in wieweit Ergebnisse des Synodalen Weges schließlich durch den kirchlichen Gesetzgeber in das Kirchenrecht und durch die Ortsbischöfe in die Kirchenpraxis ihrer Diözesen aufgenommen werden, so dass die Inhalte der Erneuerung verbindlich als neue Grundlage für die Kirche in Deutschland Geltung finden können".  Denn die bischöfliche Entscheidung zum Synodalen Weg erfolge innerhalb eines Systems, "das genau nicht vorsieht, dass man sich als Bischof selbst an Entscheidungen bindet, die im ganzen Volk Gottes entwickelt, beraten und beschlossen werden. Nur wenn das aber die ernsthafte Absicht ist, kann hier wirklich Neues entstehen", betonte Lücking-Michel.

Lücking-Michel wertet Papstbrief als "kleine Sensation"

Auch bei den Themen, die nicht auf Ortskirchenebene entschieden werden können, hofft das ZdK, dass sie "verhandelt werden". Sonst brauche man gar nicht erst anzufangen, so die Referentin. "Die ‚Synodalen’ sind nicht getrieben von einem deutschen Allmachtsanspruch, aber von der Hoffnung, dass im Konzert der Weltkirche die deutsche Stimme auch klar und deutlich zu vernehmen ist." Reformvorschläge, die die Universalkirche betreffen, sollten deshalb dem gesamtkirchlichen Gesetzgeber als Vorschläge der deutschen römisch-katholischen Kirche übergeben werden. Es wäre ein starkes Zeichen, wenn die Bischöfe damit nach Rom gingen, so Lücking-Michel. Abschließend wertete auch sie den Papstbrief als Ermutigung zum Synodalen Weg und als "kleine Sensation". Einig war sie sich mit Kardinal Woelki in der Überzeugung, dass die Evangelisierung, die Verkündigung der Frohen Botschaft in Wort und Tat, das Kernstück dieses Erneuerungsprozesses ist. Dennoch müssten auch die Fragen nach Macht, Partizipation und Gewaltenteilung deshalb offen diskutiert und klug entschieden werden, "damit Leben und Reden, Glauben und Verkündigung, Anspruch und Wirklichkeit der Kirche nicht weiterhin auseinanderfallen". Abschließend sagte die ZdK-Vizepräsidentin: "Ich bin jedenfalls zutiefst davon überzeugt, dass wir gemeinsam als Kirche in dieser Welt gebraucht werden, um das Evangelium zu verkünden und Zeugnis von der Hoffnung auf Versöhnung zu geben. Selten war Kirche so notwendig wie heute."

Beatrice Tomasetti
(DR)

 

19.06.2019

Kardinal Woelki über Religion und Humor

"Die katholische Perspektive auf das Lachen"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sieht zwischen Religion, Kirche und Humor viele Verbindungen. So wundere es ihn auch nicht, dass der Karnevalsgottesdienst im Kölner Dom besser besucht sei als die Christmette an Heiligabend.

Das sagte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am Dienstagabend in Köln bei einem Vortrag zu "Religion und Humor - die katholische Perspektive auf das Lachen". Der Kölner Erzbischof sprach im Rahmen des Jacques-Offenbach-Festivals zum 200. Geburtstag des Kölner Komponisten.

Lachen in der Kirche war nur an Ostern erlaubt

Der Kardinal hob hervor, dass Menschen die einzigen Wesen seien, die lachen könnten. Wissenschaftlich gesehen sei es eine "unwillkürliche Körperreaktion", die keiner Gefühlslage zugeordnet werden könne, wobei es verschiedene Ursachen für das Lachen gebe. Beim ersten Lachen zum Beispiel, von dem in der Bibel die Rede sei, lache Abraham Gott aus, als dieser ihm verkündet, er werde im hohen Alter noch einmal Vater werden.

Woelki erwähnte auch das Mittelalter, in dem das Lachen häufig als "leichtfertig, lustorientiert und nicht gottesfürchtig" gegolten habe. Lachen in der Kirche sei nur an Ostern erlaubt gewesen, als es traditionsgemäß die Pflicht des Geistlichen gewesen sei, Witze zu erzählen. Mit diesem Osterlachen hätten die Menschen gefeiert, dass "der Tod sich verzockt" habe, da sie die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod hatten.

In dem Zusammenhang kritisierte der Kardinal, dass Ostern heute für viele Menschen weniger christlich, als eher "jahreszeitlich dekorativ" begangen werde: "Wir kaufen uns in jeder Saison ein vermeintlich neues Leben, dabei ist uns dieses Leben schon längst und auf ewig geschenkt - von Gott."

Echter und guter Humor ein gesunder Zwischenweg

Kritisch bewertete Woelki auch eine oft übermäßige Nutzung von Smilies. Diese oft lachenden Emoticons würden von manchen Menschen so häufig verwendet, dass ihr Fehlen in einer Kurznachricht bereits Anlass zur Sorge gebe. Die beim Lachen geschlossenen Augen des klassischen Smilies könnten zudem darauf schließen lassen, dass der Lachende die Welt ausschließe.

Echten und guten Humor bezeichnete der Kölner Erzbischof als gesunden Zwischenweg zwischen bitterem Sarkasmus und leerer Heiterkeit. Auch Jacques Offenbach sei ein Mensch gewesen, der die Welt mit wachen Augen gesehen habe, jedoch nicht daran verzweifelt sei, sondern Werke komponiert habe, die die Welt bis heute begeisterten.

(KNA)

 

 

 

27.05.2019

Katholische Kirche gründet Institut für Prävention und AufarbeitungEinheitliches Vorgehen in Bistümern fördern

Nach der Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche nimmt ab 15. September das Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt seine Arbeit auf. Es soll ein einheitliches Vorgehen in allen Bistümern fördern.

Die Federführung des Instituts für Prävention und Aufarbeitung (IPA) hat der Trierer Bischof und Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, Dr. Stephan Ackermann, inne.

Das Institut unterstützt alle deutschen Bistümer und soll gemeinsam mit Wissenschaftlern, Fachorganisationen, Akteuren der Präventions- und Interventionsarbeit und Betroffenen von sexualisierter Gewalt Impulse und Standards für den Umgang mit dem Thema Missbrauch entwickeln und damit ein einheitliches Vorgehen in allen Bistümern fördern.

Bedeutung einheitlicher Standards betont

Bischof Ackermann betonte die Bedeutung einheitlicher Standards in allen deutschen Bistümern und das gemeinsame Vorgehen zur Vermeidung sexualisierter Gewalt: "Durch die aktuelle Diskussion und durch unsere Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Missbrauch lernen wir, wie wichtig die nationale wie internationale Vernetzung und die Kooperation mit allen kirchlichen, gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Gruppierungen und Einrichtungen ist."

Eine zentrale Aufgabe des IPA wird darin bestehen, gemeinsam mit allen "Netzwerkpartnern", Instrumente für ein umfassendes Monitoring von Präventions- und Aufarbeitungsprojekten zu entwickeln. Darüber hinaus soll es Qualitätssicherungsinstrumente für die bereits implementierten Präventionsmaßnahmen der Katholischen Kirche in Deutschland auf den Weg bringen.

Außerdem soll durch dieses interdisziplinäre Projekt eine breite gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch befördert werden. Die Einrichtung des IPA ist eine der Konsequenzen aus der sogenannten MHG-Studie, durch die die katholische Kirche in Deutschland Verantwortung für ihr eigenes zukünftiges Handeln übernehmen will.

Erfahrung aus dem Erzbistum Köln

Den Aufbau und die Leitung des neuen Instituts übernimmt der langjährige Präventions- und Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt. Bischof Dr. Ackermann zeigte sich angesichts dieser Personalie sehr zufrieden: "Ich bin froh, dass wir Oliver Vogt für diese Aufgabe gewinnen konnten. Als erster Interventionsbeauftragter eines Bistums in Deutschland hat er über viele Jahre wegweisende Arbeit im Erzbistum Köln geleistet und wichtige Standards in diesem Bereich etabliert. Diese Erfahrung wird für den Start des neuen Instituts maßgeblich sein."

Dank von Kardinal Woelki

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki dankte Oliver Vogt für sein bisheriges Wirken: "Als Kirche müssen wir unbedingt verlorenes Vertrauen nach den Missbrauchsfällen wiedergewinnen. Dafür ist die Einführung von einheitlichen, hohen Standards im Bereich Prävention und Aufklärung in allen deutschen Bistümern wichtig. Mit dem Aufbau der Interventionsstelle hat Oliver Vogt einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Dankbar bin ich für seine Unterstützung bei der im Erzbistum Köln auf den Weg gebrachten Einrichtung eines Betroffenenbeirates und der Einleitung einer unabhängigen Untersuchung zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Für seine wichtige Aufgabe am neuen Institut, dessen Arbeit wir unterstützen werden, wünschen wir ihm von Herzen Erfolg".

"Köln hat als erstes Bistum die Stelle eines Interventionsbeauftragten geschaffen und damit ein Zeichen der Betroffenenorientierung gesetzt", so Oliver Vogt. "Ich blicke auf eine sehr vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit zurück und werde das Erzbistum Köln auch in meiner neuen Aufgabe weiterhin unterstützen. In meiner derzeitigen Position schließe ich hier die noch laufende unabhängige Untersuchung ab, werde die Ergebnisse präsentieren und danach im vollen Umfang in die neue Tätigkeit wechseln."

Das Institut wird seinen Sitz in der Nähe von Bonn auf Burg Lantershofen, Grafschaft, haben.

(Erzbistum Köln)

 

 

Fastenzeit - Predigt unseres Erzbischofes Rainer Maria Kardinal Woelki

 

 

Kardinal Woelki zu den nächsten Schritten bei der Aufarbeitung von Missbrauch"
Es sind sicherlich auch Akten vernichtet worden"

21.09.2018

 

Kardinal Woelki kündigt unabhängige Expertenkommission zu Missbrauch an
"Werden uns der Wahrheit stellen"

Kölns Erzbischof Woelki kündigt eine umfassende und unabhängige Aufklärung des Umgangs mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln an - "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten". Köln ist damit das erste deutsche Bistum, das diesen Schritt als Reaktion auf die neue Missbrauchsstudie macht.

Vier Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse der neuen Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am Freitag für sein Erzbistum weitergehende Untersuchungen angekündigt. Die wichtigsten Ergebnisse der von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen sogennanten MHG-Studie waren schon in der vorigen Woche von einigen Medien veröffentlicht worden. Danach sollen in Deutschland zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen begangen worden sein.

Was die bundesweite MHG-Studie aufgrund des Umfangs der Akten laut Woelki nur stichprobenartig leisten konnte, soll nun für das Kölner Erzbistum von unabhängigen Fachleuten sorgfältig beleuchtet werden, so der Kölner Erzbischof: "Taten sprechen lauter als Worte." Der Kardinal rechnet dabei mit "sehr schmerzhaften" Ergebnissen. Trotzdem solle "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten" aufgeklärt werden. Dafür werde eine externe Einrichtung beauftragt, so Woelki, die unabhängig und umfassend auch institutionelles Verhalten auf mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit, auf Versagen und Fehlverhalten hin aufarbeiten soll.

"Versagen und Schuld benennen"

Woelki spricht von einer "Woche der bitteren Wahrheit". In vielen Gesprächen und Nachrichten, die ihn erreichten, sei der Tenor: "Es muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen. Und ich sage: Sie haben Recht! So kann es wirklich nicht weitergehen." In seinem
Bischofswort betont der Kölner Erzbischof zugleich, dass die Präventionsarbeit zur Verhinderung künftiger Untaten in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden sei.

Infolge der Vorveröffentlichung der bundesweiten Studienergebnisse hatten sich in den vergangenen Tagen etliche Bischöfe der 27 deutschen Bistümer zu Wort gemeldet, Scham und Bedauern geäußert und weitere Präventionsmaßnahmen in Aussicht gestellt. Das Erzbistum Köln geht nun mit der Ankündigung einer Untersuchung unabhängiger Experten einen Schritt weiter. Denn, so Woelki: "Wir wollen Versagen und Schuld benennen. [...] Es geht um unsere Glaubwürdigkeit."

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass Vertreter der Kirche vielen Menschen Leid angetan hätten, sei für ihn besonders schlimm zu sehen, dass die Kirche vielen Menschen inzwischen schon so gleichgültig geworden sei, "dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen".

Bei ihrer Vollversammlung vom 24. bis 27. September in Fulda wollen die deutschen Bischöfe über weitere Konsequenzen für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beraten. Die Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz soll helfen, sich der Verantwortung zu stellen, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen und nötige Veränderungen anzustoßen.

Die Erklärung Rainer Maria Kardinal Woelki im Wortlaut (hier im Video)

 

 



 "Es ist die Woche der bitteren Wahrheit: Am Dienstag werden in Fulda die Ergebnisse der Missbrauchsstudie präsentiert. Sie sind beschämend. Mich erreichen in diesen Tagen viele Kommentare und Nachrichten. Auch in persönlichen Gesprächen ist der Tenor: Es muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen. Und ich sage: Sie haben Recht! So kann es wirklich nicht weitergehen.

Ich werde halten, was ich in der vergangenen Woche zugesagt habe: Unser Kölner Erzbistum wird sich der Wahrheit stellen - auch dann, wenn diese schmerzlich ist. Und dazu gehört es, ungeschönt und ohne falsche Rücksichten aufzuklären. Das wird wahrscheinlich sehr schmerzhaft – auch für uns selbst. Aber Taten sprechen lauter als Worte.

Dazu werde ich eine externe Einrichtung beauftragen, die unabhängig und umfassend unser eigenes - auch institutionelles - Verhalten auf mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit, auf Versagen und Fehlverhalten hin aufarbeiten wird. Was die bundesweite MHG-Studie aufgrund des Umfangs der Akten nur stichprobenartig leisten konnte, werden wir für unser Erzbistum von unabhängigen Fachleuten sorgfältig beleuchten lassen. Weil wir Klarheit wollen, was in unserem Erzbistum falsch gehandhabt wurde.

Die Aufklärung, wie wir in Fällen sexualisierter Gewalt gehandelt haben und welche Fehler gemacht wurden, ist von höchster Bedeutung. Deshalb wollen wir Versagen und Schuld benennen, die Verantwortliche des Erzbistums möglicherweise auf sich geladen haben. Die Verhinderung künftiger Untaten ist dabei das Ziel unserer Präventionsarbeit, die wir in den vergangenen Jahren stark ausgebaut haben.

Mit diesem Schritt möchte ich schon über den kommenden Dienstag hinaus auf etwas Grundsätzliches schauen: Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Wir haben als Kirche einen Auftrag. Und der ist uns nicht von irgendwem gegeben. Vielmehr ist der uns direkt von Jesus Christus gegeben. Danach sollen wir den Menschen das Licht Gottes bringen. Dafür muss jeder einzelne von uns: Priester, Pastorale Dienste oder Gläubiger als ein Mensch erfahrbar werden, dem man diesen Auftrag glaubt. Nur, wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, wird uns wieder Vertrauen geschenkt werden.

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass vielen Menschen – vor allem in den vergangenen Jahrzehnten - Leid von Vertretern der Kirche angetan wurde, ist es für mich besonders schlimm, zu sehen: Nicht wenigen Menschen sind wir inzwischen schon so gleichgültig geworden, dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen.

Heute mache ich Ihnen ein weiteres Versprechen: so dunkel die Stunde für uns derzeit auch ist und so intensiv wir alles Geschehene aufarbeiten werden – Ich mache nicht als Letzter das Licht in der Kirche aus! Denn wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, Fehler und Versagen der Vergangenheit aufklären, wird auch wieder ein Licht am Ende des Tunnels erscheinen. Und ich bin überzeugt: dieses Licht ist Jesus Christus, der ist und der bleibt: gestern, heute und auch morgen.

Ihr
Rainer Woelki" 

 


Dürfen wir einfach wegschauen wenn auch in diesem Jahr schon wieder tausende Flüchtline ertrinken.Wir fordern von Politik und Gesellschaft, nicht länger wegzuschauen und zu schweigen.

 

Ein sorgfältig ausgetüfteltes Programm

Aber auch 200 Kinder aus Düsseldorfer Kinderchören mit Liedern Düsseldorfer Kirchenmusiker sind mit dabei oder der Palawan Chamber Choir aus den Philippinen, der zur Komposition "Herba Viridio" tanzt und bei seiner Deutschland-Tour von Chorsängerinnen und Chorsängern der Pfarrei St. Suitbertus unterstützt wird.

Nicht zu vergessen die "Mutter aller kölschen Bands", die Bläck Fööss, die der Halle mit ihren 15.000 Besuchern bei ihrem Auftritt noch einmal richtig einheizen, aber auch mit ihren beliebtesten Hits vom "Stammbaum" und "In unserm Veedel" das echt "kölsche Jeföhl" ansprechen – Schunkeln inbegriffen.

Jede der auftretenden Künstlergruppen sorgt auf ihre Weise für Gänsehautfeeling im Wechsel mit Laola-Wellen und ausgelassener Begeisterung, die immer wieder von den Stühlen reißt. Denn mitmachen – vor allem mitsingen – wird bei dem von Regionalkantor Wilfried Kaets sorgfältig ausgetüftelten Programm groß geschrieben. Ein dickes Notenheft mit dem "Einfach himmlisch!"-Logo hält jeder Teilnehmer dafür in der Hand.

Will geprobt sein!

Die Arrangements, die vom klassischen Symphonieorchester oder Pandora’s Box, einer Profiband der deutschen Studiomusikerszene, begleitet werden, sind zum Großteil neu, aber alle – das betont der Düsseldorfer Kantor Klaus Wallrath am Dirigentenpult ausdrücklich – Eigengewächse, das heißt von Kirchenmusikern des Bistums eigens für diesen Anlass geschrieben worden. Allein 60 öffentliche Proben, so schildert er, hätten im Vorfeld dieser Großveranstaltung mit den zwei Ansing-Chören, wofür es Castings gab, stattgefunden.

Dass es dann auch mit denen so richtig abgehen kann, zeigen die vielen Sängerinnen und Sänger in ihren bunten T-Shirts von ihrem Standort oberhalb der Bühne eigentlich bei fast jedem Einsatz. Mal wippen sie im Rhythmus mit, mal reißen sie die Arme vor Begeisterung in die Luft. Zusätzliche Stimmungsmacher sind sie allemal.

 

"Der größte Schatz in unseren Gemeinden!“

Nicht zu vergessen den in den Interviews mit Moderatorin Melanie Wielens immer wieder formulierten Dank seitens der Bistumsleitung an die eigentlichen Protagonisten dieses Abends: das Publikum, das etwa zu einem Drittel an diesem Abend die insgesamt 44.000 Kirchenchorsänger im Erzbistum Köln repräsentiert und im Einsatz für die Kirchenmusik am Ort für den oft jahrzehntelangen ehrenamtlichen Dienst mit diesem Chorfest gewürdigt werden sollte.

"Mit Ihnen allen an der Seite ist es mir um die Kirche in Köln nicht bang", hatte Kardinal Rainer Maria Woelki zuvor den Menschen in der Lanxess-Arena gut gelaunt zugerufen und ihnen für ihren Dienst Anerkennung gezollt. "Sie sind mit der größte Schatz in unseren Gemeinden!" Für die Gemeindeerneuerung sei die Musik ein großes Pfund. "Wir Priester sollten mehr auf unsere Kantoren hören", merkte er außerdem selbstkritisch an. Liturgie ohne Musik wäre zu wortlastig und ein Gottesdienst ohne Musik gar nicht denkbar.

Auch  Domkapitular Monsignore Markus Bosbach, Vorsitzender des Diözesan-Cäcilienverbandes Köln, ist sich des "riesigen Schatzes" bewusst, den Kirche mit ihren vielfältig musikalisch engagierten Gemeindemitgliedern habe. Für ihn selbst, der mit Musik aufgewachsen ist, sei ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar, stellte er Moderatorin Wielens gegenüber dar. Über Musik geschehe auch Beheimatung und damit etwas sehr Wesentliches in Kirche, so die Erfahrung des Leiters der Abteilung Seelsorgebereiche im Erzbistum. Er versprach: "Die Breite unserer Angebote – mit Chor-Schulangeboten, aber auch vielen Spezialisierungen – wollen wir bewahren. Das heißt, nicht nur Musik von gestern, auch die Musik von heute hat ihre Berechtigung." Musik in der Kirche sei Verkündigung, kein Selbstzweck, sondern auch Glaubenszeugnis. "Sie schenkt uns eine Ahnung vom Himmel."

Beatrice Tomasetti
(DR)  

 

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