01.02.2020
 
Kardinal Woelki übt Kritik an der ersten Synodalversammlung
"Alle meine Befürchtungen eingetreten"
Mit der ersten Synodalversammlung ist der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki unzufrieden. Die hierarchische Ordnung der Kirche werde infrage gestellt und nicht jede Meinung habe Gehör gefunden.
 
DOMRADIO.DE: Herr Kardinal, Sie waren im Vorfeld nicht unbedingt einer der ganz großen Befürworter des Synodalen Weges. Wie haben Sie die Synodalversammlung hier in Frankfurt erlebt?
 
Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Köln): Es sind eigentlich alle meine Befürchtungen eingetreten. Ich habe ja sehr deutlich gemacht, dass ich eine große Sorge habe, dass hier quasi ein protestantisches Kirchenparlament durch die Art der Verfasstheit und der Konstituierung dieser Veranstaltung implementiert wird. Das ist für mich eigentlich auch eingetreten. Die wesentlichen Voraussetzungen ekklesiologischer Art mit Blick auf das, was Katholische Kirche ist, werden – für meine Begriffe – in vielen Redebeiträgen ignoriert. Das ist ja auch schon das sehr deutlich prägende Bild beim Einzug zum Gottesdienst gewesen, als Bischöfe und Laien alle gemeinsam eingezogen sind und somit zum Ausdruck gebracht wurde, dass da jeder gleich ist. Und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was Katholische Kirche ist und meint.
 
DOMRADIO.DE: Sehen Sie das auch durch die Sitzordnung bestätigt, die ist ja alphabetisch?
 
Woelki: Damit kann ich leben. Aber es ist dadurch einfach deutlich, dass die hierarchische Verfasstheit der Kirche, wie sie auch im Zweiten Vatikanischen Konzil ja noch einmal dokumentiert ist und auch in "Lumen gentium" zum Ausdruck gebracht wird, infrage gestellt ist. Auch das organische Zueinander von Geweihten und Nichtgeweihten und die Unterschiedlichkeit der Aufgaben, die darin zum Ausdruck kommt, ist in der Tat auch durch die Sitzordnung und durch viele andere kleine Zeichen infrage gestellt und relativiert. Ich halte das für äußerst bedenklich.
 
DOMRADIO.DE: Sie haben aber intensiv zugehört und auch mitdiskutiert. Was haben Sie denn Neues gelernt?
 
Woelki: Gelernt habe ich, dass Zuhören schwer ist – nicht nur für mich, sondern für viele andere auch. Auch habe ich gelernt, dass der eingeforderte Respekt voreinander ebenfalls nicht leicht ist. Denn ich habe beobachtet, dass man schon spürt, wie die Aufmerksamkeit abnimmt, wenn bestimmte Leute ans Mikrofon treten und eine andere Position vertreten. Auch das ist etwas, was wir sicherlich noch lernen müssen für die Zukunft: dass wir nicht nur einfach Worte erheben, sondern das dann auch leben.
 
Und ich habe gelernt, dass es wichtig ist, auch über Macht in der Kirche zu sprechen. Denn es ist doch deutlich geworden, dass auch hier bei unserer synodalen Versammlung Macht ausgeübt wurde, indem nicht alle Rederecht erhalten haben, die sich gemeldet haben. Es wurden nicht alle Redeanträge, die vorher schriftlich eingereicht wurden, auch entsprechend gewürdigt.
 
DOMRADIO.DE: Es ist Ihnen ja auch ganz wichtig, dass es ein geistlicher Prozess ist. Durchdringt das diese Versammlung, so wie Sie sie erleben?
 
Woelki: Ich glaube, dass das natürlich versucht wird durch die Gottesdienste und auch durch diese sogenannten "Einhalte", durch diese bewusste Gebetszeit, die in dem Programm mitverfasst ist. Aber ich glaube, dass ein geistlicher Prozess vor allen Dingen auch dadurch gekennzeichnet ist, wenn wir unsere Redebeiträge, Texte und der Dokumente erstellen, immer wieder hören müssen, was uns der Herr sagen will – nicht nur das, was wir glauben. Der Herr spricht durch das Wort der Schrift, aber er spricht auch durch den Glauben und die Lehre der Kirche.
 
Und wir sind nicht jetzt zweitausend Jahre danach diejenigen, die die Kirche neu implementieren oder neu erfinden, sondern wir stehen in einer langen Tradition. Der Glaube, so wie er in den Konzilien und auch von den apostolischen Ursprüngen her grundgelegt ist, kann hier nicht irgendwie abgerissen oder jetzt neu erfunden werden. Es gibt Voraussetzungen. Auch das gehört in einen geistlichen Prozess hinein, das wahrzunehmen und vertieft zu reflektieren und nicht als alten Kaffee abzutun – weil ich es vielleicht nicht verstehe. Es geht darum, sich zunächst einmal darum zu bemühen, zu verstehen, was Glaube und Lehre der Kirche ist, und dann aufgrunddessen auch die Fragen, die sich uns heute im Jahre 2020 stellen, zu reflektieren und Antworten dann aus diesem Glauben der Kirche und dem Evangelium heraus zu geben.
 
Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.
 
 

24.12.2019

Das Evangelium berichte, so Franziskus, dass die Eltern Jesu das Kind zum Tempel in Jerusalem bringen, um es nach den Vorschriften des jüdischen Gesetzes Gott zu weihen. Dabei kämen nicht nur Maria und Josef als Vorbilder ins Spiel, sondern auch Simeon und Hanna, gefangen in einem Moment , „in dem sie die Begegnung mit dem Herrn an dem Ort erleben, an dem Er sich selbst gegenwärtig zeigt und dem Menschen nahe ist.“ „Die Welt braucht Christen, die sich begeistern lassen“ Der Evangelist Lukas beschreibe sie alle in einer zweifachen Haltung: in Bewegung und im Staunen. So hätten sich alle auf den Weg zum Tempel begeben und auf diese Weise zeigten uns die vier Protagonisten des heutigen Evangeliums, dass das christliche Leben Dynamik und die Bereitschaft zum Weitergehen erfordere, sich vom Heiligen Geist leiten lassend. Stillstand passe nicht zum christlichen Zeugnis und zur Mission der Kirche, so Franziskus. Denn die Welt brauche Christen, die sich begeistern lassen, die nicht müde werden, allen das tröstende Wort Jesu zu bringen, mahnte der Papst und fuhr fort: „Jede getaufte Person hat die Berufung zur Verkündigung - etwas verkündigen, Jesus verkündigen! - die Berufung zur Neuevangelisierung: Jesus verkündigen.“ Christen sollen staunen Die zweite Haltung, so Franziskus, sei die des Staunens. Maria und Josef „staunten über die Dinge, die über ihn [Jesus] gesagt wurden" (v. 33). Das Erstaunen sei auch die Reaktion des alten Simeon, der in dem Jesuskind mit seinen Augen das von Gott für sein Volk gewirkte Heil sieht. Und auch Hanna habe beim Anblick des Kindes begonnen, Gott zu loben. Franziskus erläuterte, dass „die Fähigkeit, die Dinge, die uns umgeben, zu bestaunen,“ die religiöse Erfahrung fördere und die Begegnung mit dem Herrn fruchtbar mache. Ohne diese Fähigkeit würde man gleichgültig, so Franziskus: „Brüder und Schwestern, immer in Bewegung, und bleiben wir offen für das Staunen!“ Abschließend bat der Papst die Gottesmutter um Hilfe dabei, Jesus als das Geschenk Gottes für uns zu betrachten, „damit unser ganzes Leben zum Lob Gottes im Dienst an unseren Brüdern und Schwestern wird“. (vatican news)

Kardinal Woelki über Weihnachten und WegstreckenWas steht denn auf seinem Wunschzettel?

Vielbeschäftigt ist der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in diesen Tagen. Kurz vor dem Heiligen Abend erzählt er, was ganz oben auf seinem Wunschzettel steht und ob ein Kardinal denn auch mit Geschenken bedacht wird.

DOMRADIO.DE: Herr Kardinal, haben Sie eigentlich noch Zeit so kurz vor Weihnachten?

Woelki: Gegenwärtig ist es alles sehr gefüllt. Es steht eine Reihe von Besuchen an. An Alte und Kranke ist in diesen Stunden besonders zu denken und natürlich auch an die Vorbereitung der Gottesdienste, die ich in unserem Dom feiere. Da müssen die Predigten und die Liturgie vorbereitet werden. Und natürlich muss auch das eigene Herz auf Weihnachten vorbereitet werden.

DOMRADIO.DE: Gibt es irgendwann auch einmal Momente, in denen Sie trotz der ganzen offiziellen Aufgaben mal ein bisschen zur Ruhe kommen können? Können Sie auch mal im Kreis Ihrer Lieben andocken?

Woelki: Ich versuche schon, mir solche Ruhe-Zeiten ganz bewusst in den Tag einzuplanen, indem ich mich in meine Kapelle zurückziehe oder anderweitig Zeit der Betrachtung für das Gebet finde. Das ist der eine Aspekt.

Und aus familiärer Sicht kommen meine Mutter, meine Geschwister und meine Neffen am ersten Feiertag nach den Gottesdiensten zu Besuch. Dann sitzen wir wie jedes Jahr bei Kaffee und Kuchen sowie beim Abendessen zusammen und erzählen dann über all das, was in den vergangenen Wochen und Monaten die Einzelnen bewegt hat.

DOMRADIO.DE: Kriegt denn ein Kardinal eigentlich viele Geschenke?

Woelki: Ja, ich bekomme Geschenke. Der Ausdruck "viel" ist ja immer relativ. Es sind aber in der Tat sehr viele Menschen, die in diesen Tagen auch an einen Bischof denken, der eigentlich ohne Familie ist. Sie bringen dadurch auch zum Ausdruck, dass sie an einen denken, dass sie für einen beten und dass sie auch auf diese Weise den Dienst des Bischofs mittragen und unterstützen.

Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Über vieles, was dort geschrieben und gesagt wird, bin ich sehr froh und glücklich, weil es mich selber stärkt und ermutigt.

DOMRADIO.DE: Geht dieser Zuspruch manchmal auch durch den Magen? Gibt es auch Geschenke, die selbst gebacken sind?

Woelki: (lacht) Die gibt es in der Tat auch. Da gibt es jede Menge Plätzchen und auch schon mal den einen oder anderen Kuchen. Ich stifte den auch schon mal für meine Geschwister und für meine Familie.

Und je nachdem, wie viel es dann ist, trage ich auch immer dafür Sorge, dass die einen oder anderen Menschen, die auf der Straße leben, dann ein Stück Kuchen oder Plätzchen abbekommen.

DOMRADIO.DE: Gibt es irgendwas, was ganz oben auf Ihrem Wunschzettel steht?

Woelki: Ganz oben auf dem Wunschzettel steht für mich natürlich unser "Pastoraler Zukunftsweg" im Erzbistum Köln. Der ist für mich im Wesentlichen ein Prozess einer Neu-Evangelisierung. Es ist eigentlich mein größter Wunsch zu Weihnachten, dass dieser Weg und dieser Prozess gelingen möge. Das heißt, dass wir das versuchen umzusetzen, was der Papst uns in seinem Schreiben in diesem Jahr an Peter und Paul mit auf den Weg gegeben hat, nämlich den Primat der Evangelisierung umzusetzen.

Es muss darum gehen, dass wir Christus tiefer kennenlernen und dass wir ihn so in unser Leben hineinholen, dass er die bestimmende Wirklichkeit unseres Lebens und Alltags und auch unseres gemeindlichen Lebens wird.

Es muss darum gehen, dass wir so von ihm berührt und angesprochen sind, dass wir die Erfahrung, die wir mit ihm machen, weitergeben wollen, weitersagen wollen, weil wir davon überzeugt sind, dass Christus, der Sohn Gottes, der Weihnachten auf die Welt kommt, tatsächlich Retter und Erlöser ist.

Und es muss weiter darum gehen, dass wir diese Botschaft auch zu den Menschen tragen müssen und bringen wollen, die von ihm noch nichts gehört haben oder die sich von ihm - aus welchen Gründen auch immer - verabschiedet haben. An den Gründen sind wir als Kirche auch mit Schuld gewesen. Wir müssen versuchen, auch diesen Menschen wieder eine neue Erfahrung mit Christus, seinem Evangelium und der Kirche zu ermöglichen. Das, glaube ich, ist das Gebot und die Herausforderung unserer Zeit.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kardinal Woelki zu den nächsten Schritten bei der Aufarbeitung von Missbrauch"
Es sind sicherlich auch Akten vernichtet worden"

 

 

Kardinal Woelki kündigt unabhängige Expertenkommission zu Missbrauch an
"Werden uns der Wahrheit stellen"

Kölns Erzbischof Woelki kündigt eine umfassende und unabhängige Aufklärung des Umgangs mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln an - "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten". Köln ist damit das erste deutsche Bistum, das diesen Schritt als Reaktion auf die neue Missbrauchsstudie macht.

Vier Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse der neuen Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am Freitag für sein Erzbistum weitergehende Untersuchungen angekündigt. Die wichtigsten Ergebnisse der von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen sogennanten MHG-Studie waren schon in der vorigen Woche von einigen Medien veröffentlicht worden. Danach sollen in Deutschland zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen begangen worden sein.

Was die bundesweite MHG-Studie aufgrund des Umfangs der Akten laut Woelki nur stichprobenartig leisten konnte, soll nun für das Kölner Erzbistum von unabhängigen Fachleuten sorgfältig beleuchtet werden, so der Kölner Erzbischof: "Taten sprechen lauter als Worte." Der Kardinal rechnet dabei mit "sehr schmerzhaften" Ergebnissen. Trotzdem solle "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten" aufgeklärt werden. Dafür werde eine externe Einrichtung beauftragt, so Woelki, die unabhängig und umfassend auch institutionelles Verhalten auf mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit, auf Versagen und Fehlverhalten hin aufarbeiten soll.

"Versagen und Schuld benennen"

Woelki spricht von einer "Woche der bitteren Wahrheit". In vielen Gesprächen und Nachrichten, die ihn erreichten, sei der Tenor: "Es muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen. Und ich sage: Sie haben Recht! So kann es wirklich nicht weitergehen." In seinem
Bischofswort betont der Kölner Erzbischof zugleich, dass die Präventionsarbeit zur Verhinderung künftiger Untaten in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden sei.

Infolge der Vorveröffentlichung der bundesweiten Studienergebnisse hatten sich in den vergangenen Tagen etliche Bischöfe der 27 deutschen Bistümer zu Wort gemeldet, Scham und Bedauern geäußert und weitere Präventionsmaßnahmen in Aussicht gestellt. Das Erzbistum Köln geht nun mit der Ankündigung einer Untersuchung unabhängiger Experten einen Schritt weiter. Denn, so Woelki: "Wir wollen Versagen und Schuld benennen. [...] Es geht um unsere Glaubwürdigkeit."

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass Vertreter der Kirche vielen Menschen Leid angetan hätten, sei für ihn besonders schlimm zu sehen, dass die Kirche vielen Menschen inzwischen schon so gleichgültig geworden sei, "dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen".

Bei ihrer Vollversammlung vom 24. bis 27. September in Fulda wollen die deutschen Bischöfe über weitere Konsequenzen für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beraten. Die Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz soll helfen, sich der Verantwortung zu stellen, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen und nötige Veränderungen anzustoßen.

Die Erklärung Rainer Maria Kardinal Woelki im Wortlaut (hier im Video)

 

 



 "Es ist die Woche der bitteren Wahrheit: Am Dienstag werden in Fulda die Ergebnisse der Missbrauchsstudie präsentiert. Sie sind beschämend. Mich erreichen in diesen Tagen viele Kommentare und Nachrichten. Auch in persönlichen Gesprächen ist der Tenor: Es muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen. Und ich sage: Sie haben Recht! So kann es wirklich nicht weitergehen.

Ich werde halten, was ich in der vergangenen Woche zugesagt habe: Unser Kölner Erzbistum wird sich der Wahrheit stellen - auch dann, wenn diese schmerzlich ist. Und dazu gehört es, ungeschönt und ohne falsche Rücksichten aufzuklären. Das wird wahrscheinlich sehr schmerzhaft – auch für uns selbst. Aber Taten sprechen lauter als Worte.

Dazu werde ich eine externe Einrichtung beauftragen, die unabhängig und umfassend unser eigenes - auch institutionelles - Verhalten auf mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit, auf Versagen und Fehlverhalten hin aufarbeiten wird. Was die bundesweite MHG-Studie aufgrund des Umfangs der Akten nur stichprobenartig leisten konnte, werden wir für unser Erzbistum von unabhängigen Fachleuten sorgfältig beleuchten lassen. Weil wir Klarheit wollen, was in unserem Erzbistum falsch gehandhabt wurde.

Die Aufklärung, wie wir in Fällen sexualisierter Gewalt gehandelt haben und welche Fehler gemacht wurden, ist von höchster Bedeutung. Deshalb wollen wir Versagen und Schuld benennen, die Verantwortliche des Erzbistums möglicherweise auf sich geladen haben. Die Verhinderung künftiger Untaten ist dabei das Ziel unserer Präventionsarbeit, die wir in den vergangenen Jahren stark ausgebaut haben.

Mit diesem Schritt möchte ich schon über den kommenden Dienstag hinaus auf etwas Grundsätzliches schauen: Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Wir haben als Kirche einen Auftrag. Und der ist uns nicht von irgendwem gegeben. Vielmehr ist der uns direkt von Jesus Christus gegeben. Danach sollen wir den Menschen das Licht Gottes bringen. Dafür muss jeder einzelne von uns: Priester, Pastorale Dienste oder Gläubiger als ein Mensch erfahrbar werden, dem man diesen Auftrag glaubt. Nur, wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, wird uns wieder Vertrauen geschenkt werden.

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass vielen Menschen – vor allem in den vergangenen Jahrzehnten - Leid von Vertretern der Kirche angetan wurde, ist es für mich besonders schlimm, zu sehen: Nicht wenigen Menschen sind wir inzwischen schon so gleichgültig geworden, dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen.

Heute mache ich Ihnen ein weiteres Versprechen: so dunkel die Stunde für uns derzeit auch ist und so intensiv wir alles Geschehene aufarbeiten werden – Ich mache nicht als Letzter das Licht in der Kirche aus! Denn wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, Fehler und Versagen der Vergangenheit aufklären, wird auch wieder ein Licht am Ende des Tunnels erscheinen. Und ich bin überzeugt: dieses Licht ist Jesus Christus, der ist und der bleibt: gestern, heute und auch morgen.

Ihr
Rainer Woelki"