Friedhofskultur

Welchen Stellenwert hat der Friedhof im Wertewandel unserer Gesellschaft?

Im Mittelalter war davon die Rede, es gebe eine Art zu sterben, eine Kunst des Sterbens, eine „ars moriendi“.
Zu dieser „ars moriendi“ gehört, dass ich weiß, ich vertraue mich meinem Gott an, denn Sterben ist keine Sache mit einem Endpunkt, sondern ein Weg auf Gott hin – über den Tod hinaus.
Leider sieht es heute vielfach anders aus:
Heute boomen in Deutschland vor allem die nichtkirchlichen Bestattungen, so die „Zeit“ kürzlich oder die preiswerte Bestattung, kurz und bündig.

Der Friedhof ist ein Spiegel der Gesellschaft,

weil er den Rückgang der Verwurzelung im christlichen Glauben deutlich macht. Wir werben deshalb als katholische Pfarrgemeinde dafür, dass ein Exequienamt stärker genutzt wird. Manche Friedhofskapelle ist wirklich kein Ort, der sehr würdevoll Abschied nehmen lässt.

Warum denn nicht in einem unserer schönen Gotteshäuser, wie in unsern  Kirchen St. Peter, St. Joseph oder St. Laurentius eine Trauerfeier stattfinden lassen? Viele Menschen haben große Angst davor. Sie bilden dabei Hemmschwellen, weil sie nicht mehr genau wissen, wie eine solche Bestattung stattfinden kann. Tatsächlich boomt zurzeit die schnelle Rundumversorgung eines Bestatters, der menschliche Verabschiedung und Begleitung anbietet.

Fragen Sie doch einmal im Pfarramt bzw. in unserer Friedhofsverwaltung nach. Dort wird Ihnen gern mit Rat zur Seite gestanden.

Friedhöfe sind Orte der Begegnung


Die Pfarrgemeinde hat vier ganz unterschiedliche Friedhöfe. Wir wollen, dass Sie den Friedhof nicht nur zur Beerdigung besuchen. Er soll Ihnen z. B. auch bei der Trauerbewältigung helfen. Hier soll ein Raum sein, wo Sie sich mit Mitmenschen austauschen können und mit Ihnen Ihren Schmerz überwinden.

Mit anderen Menschen über die eigene Trauer zu sprechen ist oft nicht einfach. Viele, die beruflich davon betroffen sind, wissen nicht, wie sie mit trauernden Menschen umgehen sollen und vermeiden daher am liebsten das Tabuthema Tod. Nach einer gewissen Zeit wird erwartet, dass die trauernde Person Stärke zeigt, mit ihrem Verlust (endlich) klarkommt und nach vorne schaut. So einfach ist es aber nicht!

Endet die Menschenwürde mit dem Tod

Der Umgang mit den Verstorbenen ist Spiegelbild unserer Gesellschaft - wie schon beschrieben.
In unserem Grundgesetz ist die  Menschenwürde unantastbar! Und wie sieht es nach dem Tod aus? Hört hier die Menschenwürde auf? Wenn nicht, wie sieht dann ein richtiger Ort für die letzte Ruhe aus?
Lesen Sie hier den Artikel: Sterben-Tod-Trauer

 

 

 

 

Weihbischof Dominikus Schwaderlap