27.05.2019

Katholische Kirche gründet Institut für Prävention und AufarbeitungEinheitliches Vorgehen in Bistümern fördern

Nach der Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche nimmt ab 15. September das Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt seine Arbeit auf. Es soll ein einheitliches Vorgehen in allen Bistümern fördern.

Die Federführung des Instituts für Prävention und Aufarbeitung (IPA) hat der Trierer Bischof und Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, Dr. Stephan Ackermann, inne.

Das Institut unterstützt alle deutschen Bistümer und soll gemeinsam mit Wissenschaftlern, Fachorganisationen, Akteuren der Präventions- und Interventionsarbeit und Betroffenen von sexualisierter Gewalt Impulse und Standards für den Umgang mit dem Thema Missbrauch entwickeln und damit ein einheitliches Vorgehen in allen Bistümern fördern.

Bedeutung einheitlicher Standards betont

Bischof Ackermann betonte die Bedeutung einheitlicher Standards in allen deutschen Bistümern und das gemeinsame Vorgehen zur Vermeidung sexualisierter Gewalt: "Durch die aktuelle Diskussion und durch unsere Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Missbrauch lernen wir, wie wichtig die nationale wie internationale Vernetzung und die Kooperation mit allen kirchlichen, gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Gruppierungen und Einrichtungen ist."

Eine zentrale Aufgabe des IPA wird darin bestehen, gemeinsam mit allen "Netzwerkpartnern", Instrumente für ein umfassendes Monitoring von Präventions- und Aufarbeitungsprojekten zu entwickeln. Darüber hinaus soll es Qualitätssicherungsinstrumente für die bereits implementierten Präventionsmaßnahmen der Katholischen Kirche in Deutschland auf den Weg bringen.

Außerdem soll durch dieses interdisziplinäre Projekt eine breite gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch befördert werden. Die Einrichtung des IPA ist eine der Konsequenzen aus der sogenannten MHG-Studie, durch die die katholische Kirche in Deutschland Verantwortung für ihr eigenes zukünftiges Handeln übernehmen will.

Erfahrung aus dem Erzbistum Köln

Den Aufbau und die Leitung des neuen Instituts übernimmt der langjährige Präventions- und Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt. Bischof Dr. Ackermann zeigte sich angesichts dieser Personalie sehr zufrieden: "Ich bin froh, dass wir Oliver Vogt für diese Aufgabe gewinnen konnten. Als erster Interventionsbeauftragter eines Bistums in Deutschland hat er über viele Jahre wegweisende Arbeit im Erzbistum Köln geleistet und wichtige Standards in diesem Bereich etabliert. Diese Erfahrung wird für den Start des neuen Instituts maßgeblich sein."

Dank von Kardinal Woelki

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki dankte Oliver Vogt für sein bisheriges Wirken: "Als Kirche müssen wir unbedingt verlorenes Vertrauen nach den Missbrauchsfällen wiedergewinnen. Dafür ist die Einführung von einheitlichen, hohen Standards im Bereich Prävention und Aufklärung in allen deutschen Bistümern wichtig. Mit dem Aufbau der Interventionsstelle hat Oliver Vogt einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Dankbar bin ich für seine Unterstützung bei der im Erzbistum Köln auf den Weg gebrachten Einrichtung eines Betroffenenbeirates und der Einleitung einer unabhängigen Untersuchung zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Für seine wichtige Aufgabe am neuen Institut, dessen Arbeit wir unterstützen werden, wünschen wir ihm von Herzen Erfolg".

"Köln hat als erstes Bistum die Stelle eines Interventionsbeauftragten geschaffen und damit ein Zeichen der Betroffenenorientierung gesetzt", so Oliver Vogt. "Ich blicke auf eine sehr vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit zurück und werde das Erzbistum Köln auch in meiner neuen Aufgabe weiterhin unterstützen. In meiner derzeitigen Position schließe ich hier die noch laufende unabhängige Untersuchung ab, werde die Ergebnisse präsentieren und danach im vollen Umfang in die neue Tätigkeit wechseln."

Das Institut wird seinen Sitz in der Nähe von Bonn auf Burg Lantershofen, Grafschaft, haben.

(Erzbistum Köln)

 

 

Fastenzeit - Predigt unseres Erzbischofes Rainer Maria Kardinal Woelki

 

 

Kardinal Woelki zu den nächsten Schritten bei der Aufarbeitung von Missbrauch"
Es sind sicherlich auch Akten vernichtet worden"

21.09.2018

 

Kardinal Woelki kündigt unabhängige Expertenkommission zu Missbrauch an
"Werden uns der Wahrheit stellen"

Kölns Erzbischof Woelki kündigt eine umfassende und unabhängige Aufklärung des Umgangs mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln an - "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten". Köln ist damit das erste deutsche Bistum, das diesen Schritt als Reaktion auf die neue Missbrauchsstudie macht.

Vier Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse der neuen Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am Freitag für sein Erzbistum weitergehende Untersuchungen angekündigt. Die wichtigsten Ergebnisse der von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen sogennanten MHG-Studie waren schon in der vorigen Woche von einigen Medien veröffentlicht worden. Danach sollen in Deutschland zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen begangen worden sein.

Was die bundesweite MHG-Studie aufgrund des Umfangs der Akten laut Woelki nur stichprobenartig leisten konnte, soll nun für das Kölner Erzbistum von unabhängigen Fachleuten sorgfältig beleuchtet werden, so der Kölner Erzbischof: "Taten sprechen lauter als Worte." Der Kardinal rechnet dabei mit "sehr schmerzhaften" Ergebnissen. Trotzdem solle "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten" aufgeklärt werden. Dafür werde eine externe Einrichtung beauftragt, so Woelki, die unabhängig und umfassend auch institutionelles Verhalten auf mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit, auf Versagen und Fehlverhalten hin aufarbeiten soll.

"Versagen und Schuld benennen"

Woelki spricht von einer "Woche der bitteren Wahrheit". In vielen Gesprächen und Nachrichten, die ihn erreichten, sei der Tenor: "Es muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen. Und ich sage: Sie haben Recht! So kann es wirklich nicht weitergehen." In seinem
Bischofswort betont der Kölner Erzbischof zugleich, dass die Präventionsarbeit zur Verhinderung künftiger Untaten in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden sei.

Infolge der Vorveröffentlichung der bundesweiten Studienergebnisse hatten sich in den vergangenen Tagen etliche Bischöfe der 27 deutschen Bistümer zu Wort gemeldet, Scham und Bedauern geäußert und weitere Präventionsmaßnahmen in Aussicht gestellt. Das Erzbistum Köln geht nun mit der Ankündigung einer Untersuchung unabhängiger Experten einen Schritt weiter. Denn, so Woelki: "Wir wollen Versagen und Schuld benennen. [...] Es geht um unsere Glaubwürdigkeit."

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass Vertreter der Kirche vielen Menschen Leid angetan hätten, sei für ihn besonders schlimm zu sehen, dass die Kirche vielen Menschen inzwischen schon so gleichgültig geworden sei, "dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen".

Bei ihrer Vollversammlung vom 24. bis 27. September in Fulda wollen die deutschen Bischöfe über weitere Konsequenzen für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beraten. Die Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz soll helfen, sich der Verantwortung zu stellen, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen und nötige Veränderungen anzustoßen.

Die Erklärung Rainer Maria Kardinal Woelki im Wortlaut (hier im Video)

 

 



 "Es ist die Woche der bitteren Wahrheit: Am Dienstag werden in Fulda die Ergebnisse der Missbrauchsstudie präsentiert. Sie sind beschämend. Mich erreichen in diesen Tagen viele Kommentare und Nachrichten. Auch in persönlichen Gesprächen ist der Tenor: Es muss etwas passieren. So kann es nicht weitergehen. Und ich sage: Sie haben Recht! So kann es wirklich nicht weitergehen.

Ich werde halten, was ich in der vergangenen Woche zugesagt habe: Unser Kölner Erzbistum wird sich der Wahrheit stellen - auch dann, wenn diese schmerzlich ist. Und dazu gehört es, ungeschönt und ohne falsche Rücksichten aufzuklären. Das wird wahrscheinlich sehr schmerzhaft – auch für uns selbst. Aber Taten sprechen lauter als Worte.

Dazu werde ich eine externe Einrichtung beauftragen, die unabhängig und umfassend unser eigenes - auch institutionelles - Verhalten auf mögliche Versäumnisse in der Vergangenheit, auf Versagen und Fehlverhalten hin aufarbeiten wird. Was die bundesweite MHG-Studie aufgrund des Umfangs der Akten nur stichprobenartig leisten konnte, werden wir für unser Erzbistum von unabhängigen Fachleuten sorgfältig beleuchten lassen. Weil wir Klarheit wollen, was in unserem Erzbistum falsch gehandhabt wurde.

Die Aufklärung, wie wir in Fällen sexualisierter Gewalt gehandelt haben und welche Fehler gemacht wurden, ist von höchster Bedeutung. Deshalb wollen wir Versagen und Schuld benennen, die Verantwortliche des Erzbistums möglicherweise auf sich geladen haben. Die Verhinderung künftiger Untaten ist dabei das Ziel unserer Präventionsarbeit, die wir in den vergangenen Jahren stark ausgebaut haben.

Mit diesem Schritt möchte ich schon über den kommenden Dienstag hinaus auf etwas Grundsätzliches schauen: Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Wir haben als Kirche einen Auftrag. Und der ist uns nicht von irgendwem gegeben. Vielmehr ist der uns direkt von Jesus Christus gegeben. Danach sollen wir den Menschen das Licht Gottes bringen. Dafür muss jeder einzelne von uns: Priester, Pastorale Dienste oder Gläubiger als ein Mensch erfahrbar werden, dem man diesen Auftrag glaubt. Nur, wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, wird uns wieder Vertrauen geschenkt werden.

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass vielen Menschen – vor allem in den vergangenen Jahrzehnten - Leid von Vertretern der Kirche angetan wurde, ist es für mich besonders schlimm, zu sehen: Nicht wenigen Menschen sind wir inzwischen schon so gleichgültig geworden, dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen.

Heute mache ich Ihnen ein weiteres Versprechen: so dunkel die Stunde für uns derzeit auch ist und so intensiv wir alles Geschehene aufarbeiten werden – Ich mache nicht als Letzter das Licht in der Kirche aus! Denn wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, Fehler und Versagen der Vergangenheit aufklären, wird auch wieder ein Licht am Ende des Tunnels erscheinen. Und ich bin überzeugt: dieses Licht ist Jesus Christus, der ist und der bleibt: gestern, heute und auch morgen.

Ihr
Rainer Woelki" 

 


Dürfen wir einfach wegschauen wenn auch in diesem Jahr schon wieder tausende Flüchtline ertrinken.Wir fordern von Politik und Gesellschaft, nicht länger wegzuschauen und zu schweigen.

 

Ein sorgfältig ausgetüfteltes Programm

Aber auch 200 Kinder aus Düsseldorfer Kinderchören mit Liedern Düsseldorfer Kirchenmusiker sind mit dabei oder der Palawan Chamber Choir aus den Philippinen, der zur Komposition "Herba Viridio" tanzt und bei seiner Deutschland-Tour von Chorsängerinnen und Chorsängern der Pfarrei St. Suitbertus unterstützt wird.

Nicht zu vergessen die "Mutter aller kölschen Bands", die Bläck Fööss, die der Halle mit ihren 15.000 Besuchern bei ihrem Auftritt noch einmal richtig einheizen, aber auch mit ihren beliebtesten Hits vom "Stammbaum" und "In unserm Veedel" das echt "kölsche Jeföhl" ansprechen – Schunkeln inbegriffen.

Jede der auftretenden Künstlergruppen sorgt auf ihre Weise für Gänsehautfeeling im Wechsel mit Laola-Wellen und ausgelassener Begeisterung, die immer wieder von den Stühlen reißt. Denn mitmachen – vor allem mitsingen – wird bei dem von Regionalkantor Wilfried Kaets sorgfältig ausgetüftelten Programm groß geschrieben. Ein dickes Notenheft mit dem "Einfach himmlisch!"-Logo hält jeder Teilnehmer dafür in der Hand.

Will geprobt sein!

Die Arrangements, die vom klassischen Symphonieorchester oder Pandora’s Box, einer Profiband der deutschen Studiomusikerszene, begleitet werden, sind zum Großteil neu, aber alle – das betont der Düsseldorfer Kantor Klaus Wallrath am Dirigentenpult ausdrücklich – Eigengewächse, das heißt von Kirchenmusikern des Bistums eigens für diesen Anlass geschrieben worden. Allein 60 öffentliche Proben, so schildert er, hätten im Vorfeld dieser Großveranstaltung mit den zwei Ansing-Chören, wofür es Castings gab, stattgefunden.

Dass es dann auch mit denen so richtig abgehen kann, zeigen die vielen Sängerinnen und Sänger in ihren bunten T-Shirts von ihrem Standort oberhalb der Bühne eigentlich bei fast jedem Einsatz. Mal wippen sie im Rhythmus mit, mal reißen sie die Arme vor Begeisterung in die Luft. Zusätzliche Stimmungsmacher sind sie allemal.

 

"Der größte Schatz in unseren Gemeinden!“

Nicht zu vergessen den in den Interviews mit Moderatorin Melanie Wielens immer wieder formulierten Dank seitens der Bistumsleitung an die eigentlichen Protagonisten dieses Abends: das Publikum, das etwa zu einem Drittel an diesem Abend die insgesamt 44.000 Kirchenchorsänger im Erzbistum Köln repräsentiert und im Einsatz für die Kirchenmusik am Ort für den oft jahrzehntelangen ehrenamtlichen Dienst mit diesem Chorfest gewürdigt werden sollte.

"Mit Ihnen allen an der Seite ist es mir um die Kirche in Köln nicht bang", hatte Kardinal Rainer Maria Woelki zuvor den Menschen in der Lanxess-Arena gut gelaunt zugerufen und ihnen für ihren Dienst Anerkennung gezollt. "Sie sind mit der größte Schatz in unseren Gemeinden!" Für die Gemeindeerneuerung sei die Musik ein großes Pfund. "Wir Priester sollten mehr auf unsere Kantoren hören", merkte er außerdem selbstkritisch an. Liturgie ohne Musik wäre zu wortlastig und ein Gottesdienst ohne Musik gar nicht denkbar.

Auch  Domkapitular Monsignore Markus Bosbach, Vorsitzender des Diözesan-Cäcilienverbandes Köln, ist sich des "riesigen Schatzes" bewusst, den Kirche mit ihren vielfältig musikalisch engagierten Gemeindemitgliedern habe. Für ihn selbst, der mit Musik aufgewachsen ist, sei ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar, stellte er Moderatorin Wielens gegenüber dar. Über Musik geschehe auch Beheimatung und damit etwas sehr Wesentliches in Kirche, so die Erfahrung des Leiters der Abteilung Seelsorgebereiche im Erzbistum. Er versprach: "Die Breite unserer Angebote – mit Chor-Schulangeboten, aber auch vielen Spezialisierungen – wollen wir bewahren. Das heißt, nicht nur Musik von gestern, auch die Musik von heute hat ihre Berechtigung." Musik in der Kirche sei Verkündigung, kein Selbstzweck, sondern auch Glaubenszeugnis. "Sie schenkt uns eine Ahnung vom Himmel."

Beatrice Tomasetti
(DR)  

 

_